Find me on Facebook

Facebook Image

Aktuelles Astrofoto

  • Barnard 146

Der folgende Bericht ist nun schon ein paar Jahre alt. Heute hat die Sternwarte ihr Aussehen und ihre Ausstattung natürlich extrem geändert. Eine solche Sternwarte ist eine dynamische Sache, Veränderungen sind an der Tagesordnung. Trotzdem bin ich immer noch sehr zufrieden und kann jedem, dem es möglich ist, nur zu diesem Schritt ermutigen.

 

Anfang 2006 stand bei uns die Frage an, was wir in unserem Garten verändern könnten. Bis jetzt hatte ich mein Teleskop auf einer gemauerten Säule mit einem kleinen Schutzbau stehen, der mir vier Jahre lang sehr gute Dienste geleistet hatte. Aber wie das in unserem Hobby nun mal ist, wollte auch ich mich etwas vergrössern. Ausserdem stellten sich mit der Zeit doch einige Nachteile heraus, die den Bau einer festen Sternwarte wachsen liess.
Da unsere Kinder nunmehr aus dem Sandkastenalter raus sind, stand dieser nun schon ein Jahr ungenutzt in der nähe des Schutzbaus meines Teleskops. Nach einigen Überlegungen war klar: der Sandkasten und die Schutzhütte kommen weg, an diese Stelle kommt eine "Rolldachhütte". Warum eine Rolldachhütte? Nun, nach längeren Recherchen im Internet war mir klar, das eine Kuppel, die man sehr wohl auch selbst bauen kann, doch konstruktiv sehr aufwendig und auch sehr teuer werden würde. Ausserdem hat mich Dirk Mohlitz, der Rolldachhütten vertreibt, auf einige Ideen gebracht. Die Rolldachhütten von Dirk Mohlitz sind qualitativ sicherlich sehr hochwertig, allerdings passten seine Preise und unser Budget leider nicht zusammen.

Nun einige Überlegungen, die die Rolldachhütte erfüllen sollte:
- Mindestgröße Innenmaß 2,5x2,5 Meter
- die Säule muss vollständig von der Hütte entkoppelt sein
- das Dach muss sich selbst bei niedrigen Temperaturen von nur einer Person öffnen lassen
- die Wände sollten so hoch sein, dass ich selbst im Stehen vor Streulicht geschützt bin

Hier nun die Bilder, die während des Baus entstanden sind, gezeichnete Pläne existieren nicht:

 

Hier sieht man die ersten Gründungsarbeiten: das Betonfundament, was man um die Säule herum sieht, geht einen Meter in die Tiefe. Die Säule selbst besteht aus einem Abflussrohr mit 200 mm Durchmesser, in das Lehrrohre eingezogen wurden. In die Säule kam noch eine Stahlarmierung, dann wurde sie mit Beton aufgefüllt, der gut verdichtet wurde.

 

Dann kamen die vier Punktfundamente an die Reihe, die später die eigentliche Hütte tragen sollen. Die Fundamente haben ein Mass von 30x30x80 cm.

 


 

  

 

Auf die fertigen Punktfundamente wurden Pfostenschuhe mit Hilfe von Schwerlastankern befestigt. Damit hat man eine solide Grundlage für das folgende Grundgerüst.

 

Die komplette Rahmenkonstruktion besteht aus ungehobelten Kanthölzern 10x10 cm. Da diese sowohl von aussen als auch von innen verkleidet werden sollte, konnte ich auf teure Hölzer verzichten.

 

Innerhalb von wenigen Stunden entstand so das Grundgerüst und man hatte das erste mal eine Vorstellung von der räumlichen Grösse. Mit jeder diagonalen Verstrebung gewann das Ganze enorm an Stabilität, was für die kommende Konstruktion des Daches sehr wichtig war.

 


 

 

So sah der fertige Rahmen nach wenigen Tagen aus. Gut zu sehen ist, das der Fussboden ca. 30 cm über dem Erdreich liegen wird, damit hat man später genug Platz für sämtliche Leitungen, ausserdem wirkt die Luftschicht gerade im Winter gut isolierend.

Die Auflieger zur Aufnahme des Daches wurden aus gehobelten Kanthölzern gefertigt, da diese nachher sichtbar sein werden. Auch hier ist eine ordentliche Verstrebung unbedingt notwendig, da das Dach in abgefahrenem Zustand nicht gleich beim ersten Windstoss in Schwingung geraten sollte.

Etwas schwierig zu erkennen sind hier die 2x2 cm Vierkantrohre schon auf den Hölzer verschraubt, die später als Laufschiene für das Dach dienen.

 


 

Den schwierigsten Teil stellte für mich das Dach dar. Da ich so etwas vorher noch nicht gebaut hatte, hatte ich grosse Zweifel, ob ich als Laie so etwas hinbekommen würde. Als aber der Dachstuhl erst mal stand, musste ich feststellen, das es nicht so kompliziert ist. Wie man auf dem Bild links sehen kann, wird der Dachfirst vorne von einer senkrechten Stütze gehalten. Auf dem unteren Bild erkennt man aber, das der hintere Giebel durch eine waagerechte Stütze begrenzt wird. Dieser Teil des Giebels wird später nach aussen wegklappbar sein, da das Teleskop sonst ein wegfahren des Daches verhindern würde.

 

Auf den unteren beiden Bildern ist die Rollenkonstruktion zu sehen. Diese hat sich nun seit einem halben Jahr als sehr robust und leichtgängig erwiesen.

 


 

Pfingstsamstag war es dann soweit: das Dach wurde gedeckt. Da ich mich entschlossen hatte, das Dach mit nur zwei Spanplatten abzudecken, waren wir mit fünf Mann am Werk. Nach ca. einer Stunde waren die beiden Platten fixiert.  

Falls hier irgendein Versicherungsvertreter mit liest, bitte bei dem nächsten Bild wegschauen...

Bei der Dacheindeckung habe ich mich für folgende Kombination entschlossen: 16 mm Spanplatte, eine Lage Dachpappe und zum Abschluss Bitumenschindeln. Nach einigen Sommergewittern und Herbstsürmen kann ich sagen, das es sich bewährt hat.


 

Jetzt ging es mit grossen Schritten voran. Als Aussenverkleidung wurden 14 mm Profilbretter verwendet. Diese lassen sich gut verarbeiten und sehen zudem noch gut aus. Der Fussboden wurde aus 21 mm Rauhspund hergestellt. In den unteren Bildern ist zu erkennen, welche Lösung ich mir für Kabel und sonstige Leitungen ausgedacht habe: je ein Loch an der Säule und am späteren Computerplatz, darunter ein Stück Dachrinne und als Abdeckung zwei Deckel von einem 100 mm Abflussrohr. So komme ich schnell an alle Leitungen ran, kann neue verlegen, und habe den grossen Vorteil, Nachts nicht über irgendwelche Stolperfallen zu stürzen.

An jeder Ecke wurden Steckdosen installiert, die Kabel wurden dafür durch die Balken verlegt, danach wurden die Wände mit 11 mm OSB-Platten verkleidet.
Links sieht man die Sturmsicherungen für das Dach. Ich brauche nur die Knebelschrauben zu lösen, und schon kann das Dach weggeschoben werden.


Als letztes stand noch die Frage des Regenabwassers an. Sicherlich hätten ein oder zwei grosse Regenfässer ausgereicht. Da wir aber eine Zisterne zur Gartenbewässerung haben, liess ich mich eines Besseren belehren. So buddelten wir an einem Nachmittag eine lange Rinne, und verlegten das Abwasserrohr. Im Nachhinein bin ich über diese Entscheidung sehr glücklich. Bei unserem Feuchten Klima wären die Fässer schnell voll gewesen und ich wäre ständig mit Ausleeren beschäftigt.

Auf den unteren beiden Bildern sieht man die Rolldachhütte in fertigem Zustand. Lediglich die Inneneinrichtung hat sich verändert. So sind mittlerweile neben dem Teleskop auch zwei Computer fest installiert, ein Radio darf natürlich auch nicht fehlen, und selbst ein Feldbett findet ausreichen Platz.

Nachdem ich nun mehrere Monate in meiner Rolldachhütte beobachtet habe, kann ich wirklich jedem Hobbyastronomen, der die Möglichkeit dazu hat, nur empfehlen, über den Bau einer festen Beobachtungstation nachzudenken. Es stellt eine enorme Erleichterung dar, wenn man nicht jedesmal alles auf und abbauen muss. Auskühlzeiten fallen weg, Einnorden braucht man auch nur einmal und ausserdem ist das Beobachten hinter vier Wänden wesentlich angenehmer. Die Wände sind ca. 1,80 Meter hoch, damit ist man vor dem meisten Streulicht geschützt und auch ein Windstoss kann einem nichts anhaben. Gerade in der kalten Jahreszeit ist die gefühlte Temperatur in der Rolldachhütte um einige Grad höher als draussen.

Der Preis für diese Sternwarte ist nicht ganz einfach zu ermitteln. Da bei uns schon einiges an Material vorhanden war und sicher jeder einen anderen Geschmack bei der Wahl der Materialien hat, kann hier kein pauschaler Preis genannt werden. In meinem Fall würde ich für alles zusammen von 2000 Euro ausgehen. Kauft man sich heute aber ein fertiges Gartenhaus dieser Qualität, ist dieser Preis mehr als fair.

Auf genaue Masse und Zeichnungen habe ich in diesem Bericht bewusst verzichtet, ich denke, die Bilder sind Aussage genug. Wer aber dennoch eine Frage oder Anregung zu diesem Projekt hat, kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen.

Zum Schluss möchte ich mich noch bei allen bedanken, die mich bei der Entscheidung und beim Bau der Rolldachhütte unterstützt haben. Besonderer Dank geht dabei an meine Frau, ohne die ich mich diesen Schritt nicht getraut hätte.

Christian Geiger, Januar 2007